Katharina Bendixen
In den Kreisen um die Kreise / Draußen vor der Wand
Ich denke mir meine Welt kleiner, als sie ist. Einmal war es, dass die Menschen kamen, es kamen die jungen Menschen, dann kamen die alten Menschen. Da habe ich bald begonnen, mir meine Welt kleiner zu denken, als sie ist.
Einmal war es, dass sie die Steine brachten. Woher die Steine kamen, ist nicht sehr wichtig, ich weiß es auch nicht. Sie brachten die Steine und bauten Häuser, die jungen Menschen. Ein großes Haus in der Mitte, um das Haus in der Mitte einen Kreis mit Häusern, um den Kreis mit Häusern einen zweiten Kreis mit Häusern, und das ging immer so weiter, und es dauerte ein Jahr oder vielleicht zwei. In der Mitte das größte Haus wurde gefüllt mit Dingen, die die Menschen brauchten, vielleicht auch mit Dingen, von denen die jungen Menschen dachten, dass die alten Menschen sie brauchten. Es gab Apfelmus und Pflaumenkompott, und das passte nicht zu den Häusern und zu den Menschen, aber es war einmal da. Und so kam es auch immer wieder.
Das ging so rasch, dass die Bäume, die sie pflanzten, nicht schnell genug wuchsen, dass die Wiesen nur langsam entstanden zwischen den Häuserkreisen und dem größten Haus in der Mitte. So schnell ging das nicht in zwei Jahren, oder vielleicht in einem.
Und ebenso schnell gingen die jungen Menschen wieder. Einmal war es, dass die jungen Menschen flohen vor den alten Menschen, denn die Zeit wurde knapp. Und die jungen Menschen vergaßen vielleicht eine Treppe und vielleicht einen Pfeiler, als sie bauten in zwei Jahren, oder vielleicht in einem.
Schnell kamen die alten Menschen mit ihren Möbeln und ihren Hunden und Katzen und gingen in die Häuser und verließen sie nur, um das größte Haus in der Mitte mit Pflaumenmus und Apfelkompott zu besuchen. Dort gab es nicht nur Pflaumenkompott und Apfelmus, dort gab es auch einen großen Raum, in dem sie dann alle saßen und sich sahen. Da sahen sie, dass sie alte Menschen waren, sie sahen sich selbst im anderen. Und das war der Sinn, auch wenn er nicht gut war, vielleicht.
Die alten Menschen sagten zueinander: "Hier sind wir sicher, und hier wohnen wir nun." Sie stellten die Möbel an die gleichen Stellen wie früher, links das Bett und rechts den Schrank, darauf die Nachttischlampe, die häufig angeschaltet wurde in den unruhigen, alten Nächten. Sie vermissten die Bäume und die Wiesen, die viel zu langsam wuchsen, auch nach drei oder vier Jahren sah man fast nur ihre Schatten. Die Hunde verrichteten ihr Geschäft an Laternen und Wänden, nicht so wie früher, und die alten Menschen verrichteten ihre alltäglichen Dinge im Haus in der Mitte, im größten Haus. Und zum Mittag und Abend gab es Pflaumenmus und Apfelkompott.
Und trotz der Eile nicht vergessen hatten die jungen Menschen die Wand. Die Wand war der Schutz der alten Menschen, und sie war ein guter Schutz. Zunächst war sie ein guter Schutz für die alten Menschen, im Krieg aber dann war sie schlecht für sie. "Hier sind wir sicher, und hier wohnen wir nun", sagten die alten Menschen ganz zu Recht, denn die Wand war ein guter Schutz. Es kam niemand herein in den Kreis um den Kreis um den Kreis um das größte Haus in der Mitte, und es kam niemand heraus, aber das war nicht schlimm, nur für die Hunde, die immer noch Laternen und Hauswände benutzen mussten. Sie starben dann bald, die Hunde, ob wegen den fehlenden Bäumen oder den fehlenden Wiesen oder der Wand, das kann ich nicht sagen, das habe ich nie erfahren. Die alten Menschen aber trauerten kurz und trafen sich in dem größten Haus in der Mitte und sahen sich an und sahen das Leid um die Hunde im anderen, und hörten sie schließlich auf zu trauern, dann um ihres Alters willen und um des kurzen Lebensrests willen, den sie nicht vergeuden durften. Sie nahmen den Hunden die Leinen ab, sie warfen die Hunde weg, weil sie stanken. Sie führten die Leinen nun ohne die Hunde aus, und das taten sie gemeinsam, und niemand lachte.
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