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Nr. 40
November 2009

Liebe Leserinnen und Leser!

40 Hefte der erostepost liegen nun vor – das ist, verglichen mit anderen großen Zahlen, auf den ersten Blick nicht gerade eine astronomische Summe, in Relation zur durchschnittlichen Lebensdauer von Literaturzeitschriften durchaus eine Anzahl, auf die man stolz sein darf.
Als Dirk Ofner im August vor 22 Jahren die erste Ausgabe, damals noch unter dem Namen „Erost Epost“, kopiert hatte und wir auf den Straßen und in den Szenelokalen Salzburgs ausschwärmten, um das neue Kulturmedium unter die Leute zu bringen, war etwas geboren, das auch heute, ein Jahr nach Dirk Ofners Tod, noch lebendig ist.
Die in den ersten Heften vertretenen Autorinnen und Autoren waren alle aus Salzburg und hatten sich zuvor bei den legendären Salzburger Literaturstammtischen zusammengefunden. Für die Nummer 4, die Sondernummer zum ersten erostepost-Literaturpreis, sandten dann bereits Schriftsteller und Schriftstellerinnen aus ganz Österreich ihre Beiträge ein, wobei der bekannteste wohl Josef Haslinger ist.
Einzelne Literat/inn/en aus Rumänien, Deutschland und der Schweiz waren in der Folge hin und wieder vertreten, Ende der neunziger Jahre nahmen dann die Einsendungen aus Deutschland deutlich zu, und wir veröffentlichten Namen wie Torsten N. Siche, Daniel Klaus, Jochen Weeber, Constantin Göttfert oder Thomas Frahm. Dass diese Autoren auch in der vorliegenden 40. Ausgabe vertreten sind, freut mich sehr, auch, dass sich immer neue Schreibende weltweit finden, die uns ihre Texte anvertrauen, vor allem aber, dass sich wieder mehr österreichische unter ihnen finden.
Die Bilder in der vorliegenden Ausgabe stammen von Helga Eiterer, die ich als Malerin und Sonderschullehrerin kennen und schätzen lernte und die 2007 gestorben ist. Ihr und Dirk Ofner widmen wir die erostepost Nummer 40.
Ihnen und Euch wünsche ich eine spannende Auseinandersetzung mit alten und neuen Bekannten, durchgehend aber neuen Texten.
Kurt Wölflingseder

Auffällig und erfreulich an den Einreichungen für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift war, dass uns zunehmend mehr Menschen Lyrik schickten – wir tragen dem Rechnung, indem wir mit Anja Carstensen, Armin Steigenberger, Margit Huber, Rita Dahl und Martin Dragosits Lyrik von fünf Autor/inn/en veröffentlichen. Experimentelles von September und Gengoul, Beiträge aus Österreich von Annett Krendlesberger und Renate Silberer, aus Deutschland von Jörn Birkholz und aus Bulgarien von Vladimir Zarev vervollständigen die Auswahl an Texten für die runde Nummer 40.
Renate Silberer ist als Siegerin aus dem jüngsten „Lesen lassen“ hervorgegangen und wird auf Einladung von erostepost 2010 im Literaturhaus eine Lesung bestreiten, Vladimir Zarev, den nicht nur Dimitre Dinev als einen der wichtigsten Autoren Bulgariens betrachtet, ist zusammen mit ebendiesem im Jänner des kommenden Jahres im Literaturhaus zu Gast.
Die Bilder Helga Eiterers, vor allem jene, die nach einer schweren Krankheit ab etwa Mitte der neunziger Jahre entstanden sind, losgelöst von Schrift zu betrachten und zu lesen, ist praktisch unmöglich – schwer oder nicht lesbar, noch schwerer zu interpretieren, tragen faszinierende Lettern und Linien ein Gesamtkunstwerk aus Formen und Farben, die zum Markenzeichen ihrer Arbeiten geworden sind. Selten haben mich Bilder als Manifest gegen die Beliebigkeit, als Einmahnung auch der eigenen Zerbrechlichkeit mehr berührt als diese „Lebenslinien“, „Überlebenslinien“ der Helga Eiterer: „Nachdenken über das Leben, über seine Bedrohung, über seine Bedeutung, neue Einsichten, verändertes Bewusstsein“, heißt es in einer Abhandlung, in der Helga Eiterer sich und ihr künstlerisches Schaffen beschreibt. 
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Othmar Eiterer, der uns die Bilder seiner Frau aus dem Nachlass prompt zur Verfügung gestellt hat. Es ist ein guter Zeitpunkt, um mit ihnen an eine warmherzige Malerin und an den Menschen Dirk Ofner zu erinnern.

Peter Baier-Kreiner


Bilder dieser Ausgabe: Helga Eiterer

AutorInnen Nummer 40:

Constantin Göttfert, Jörn Birkholz, Vladimir Zarev, Thomas Frahm, Annett Krendlesberger, Anja Carstensen, Armin Steigenberger, Margit Huber, Rita Dahl, Gengoul, Torsten N. Siche, Martin Dragosits, Jochen Weeber, Renate Silberer, september, Daniel Klaus;

 
Leseprobe:

Armin Steigenberger: "und dann steigen diese tätowierten"

Gengoul: "einschläfern"