Klimawandel, natürlich. Beängstigend. In seinen Ausmaßen noch nicht einmal abschätzbar. Erderwärmung, Abschmelzen der Polkappen, Anstieg des Meeresspiegels. Natürlich Klimawandel, natürlich beängstigend. Und dann die Börsenkrise, die längst keine Börsenkrise mehr ist, sondern eine der Wirtschaft, und zwar weltweit. Turbulenzen, Kurschaos, Hiobsbotschaften, Horrorprognosen. Auch beängstigend irgendwie, vor allem aufgrund der Hysterie, die darum gemacht wird. Und dann natürlich der Fußball, der gespielt wird, da besser zwar, dort aber weniger gut. Hierzulande eher weniger gut, geradezu beängstigend schlecht. Aber auch ganz allgemein aufgrund von astronomischen, unmoralischen Transfersummen sowie Bestechung und Intransparenz bei der Vergabe von Weltmeisterschaften eher Besorgnis erregend. Beängstigend eben.
Vor allem aber: PISA. Natürlich PISA. Natürlich aus heimischer Sicht nichts als beängstigend: Österreichische Kinder lesen nicht mehr, weil sie es nicht mehr können. Ich schreibe das auf der ersten Seite einer Literaturzeitschrift, in der in erster Linie Autorinnen und Autoren aus dem benachbarten Deutschland vertreten sind, zumindest in stärkerem Ausmaß als jene aus der Alpenrepublik. Die an mittlerweile mehr Abonnent/inn/en in Deutschland verschickt wird als an solche aus der kleinen Alpenrepublik. Ins PISA-Musterland quasi (ins Fußball-Musterland sowieso …). Na gut, hat ja auch mehr Einwohner, Deutschland, folglich auch mehr Menschen, die gut lesen können (mehr Männer, aber auch Frauen, die richtig gut Fußball spielen können, sowieso …).
Soll ich Ihnen etwas sagen? Ich finde PISA großartig, vor allem das Ergebnis der letzten Studie. Sie rechtfertigt alles und in Zukunft noch mehr – mehr Deutschstunden, mehr neue Lesekonzepte, mehr Schreibwerkstätten, mehr Bibliotheksneubauten, mehr Schulreformen – und die Existenz einer Literaturzeitschrift sowieso. Ich wünsche mir jedes Jahr eine neue PISA-Studie, mit immer niederschmetternderen Ergebnissen. Dann haben wir alle Rechte der Welt, die Kinder früher und noch früher abzuholen zum Lesen, quasi aus der Wiege ins Buch zu zerren, bevor sie noch wissen, was ein Fußballplatz überhaupt ist. Und zum Schreiben natürlich auch. Zuerst muss etwas geschrieben worden sein, bevor es gelesen werden kann.
Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Heftes läuft die Frist ab, innerhalb derer schreibende Menschen einen Beitrag zum nächsten erostepost-Literaturpreis unter dem Motto „Odysseus – Geschichten vom Reisen“ einreichen können. Die Flut der eintreffenden Beiträge ist überwältigend, ein Ende im Moment noch gar nicht absehbar. Beängstigend geradezu. Soll heißen: Menschen schreiben wieder. Viele Menschen schreiben wieder. Mehr und mehr schreiben sie.
Soll ich Ihnen daher noch etwas sagen? Ich pfeife aufs Lesen. Schreiben müssen die Leute können. Und dann sollen sie uns ihre Beiträge schicken, literarisch, kreativ, innovativ. Mit Texten zum Klimawandel von mir aus, zur Börsenkrise, zu PISA – wir freuen uns darüber.
Und zum Fußball.
Wir werden sie weiterhin sichten, diskutieren darüber, sie auswählen und drucken. In Zeiten wie diesen Ehrensache. In Ländern wie diesem sowieso.
Peter Baier-Kreiner |